SVP-Plakat

Am 8. Februar wurde in der Schweiz darueber abgestimmt, ob die in Vertraegen mit der EU ausgehandelte “Personenfreizuegigkeit” auch auf die neuen EU-Mitglieder Rumaenien und Bulgarien ausgedehnt werden soll.

Die Personenfreizuegigkeit ermoeglicht quasi das freie Ziehen von Menschen innerhalb der Grenzen der Unterzeichnerlaender. Die staatlichen Huerden fallen und den Menschen verschiedener Laender steht es frei, innerhalb dieses neuen, groesseren Raumes sich zu bewegen; vor allem in Bezug auf die Suche nach Arbeit. Es geht um die freie Zirkulation von Arbeitskraeften, der Menschen als Waren – denn fuer die allesbeherrschende Wirtschaft, den Markt, da duerfen wir uns keine Illusionen machen, sind unsere Gefuehle, Leidenschaften, unsere Charakterzuege, Faehigkeiten und Interessen nichts weiter als  Verwertungsmoeglichkeiten. Ob sie uns nun aufgrund dieser Eigenschaften als gute, faehige Mitarbeiter betrechtet oder ob sie diese Eigenschaften als Ansatzpunkte benutzt, um uns ihre Produkte zu verkaufen. Jedenfalls zaehlen wir nicht als begehrende Wesen, als Menschen, nein, wir sind in wirtschaftlichem Sinne lediglich Produktivkraefte und Konsumenten.

Waehrend nun die Grenzen innerhalb dieser europaeischen Staaten sich immer mehr oeffnen, gebaerdet sich dieses Staatenmonster namens EU gegen aussen immer mehr als Festung. Menschen, die von ausserhalb dieses Raumes kommen – auf der Suche nach Arbeit, auf der Flucht vor Elend, Krieg und Verfolgung – werden bereits in Nordafrika oder auf vor dem Festland gelegenen Inseln abgefangen, in Lager gesteckt und zueruckverfrachtet. So viel zur Personenfreizuegigkeit.

 

Ob die Abstimmungsvorlage nun angenommen oder abgelehnt wurde, interessiert uns nicht. Wir sind gegen die unseren Beduerfnissen zuwiderhandelnden Staaten. Sie verkaufen unsere Leben ohnehin der Wirtschaft, ob sie uns nun vor der heraufbeschworenen Bedrohung durch die ach so boesen Rumaenen und Bulgaren schuetzen oder nicht, das spielt letztlich keine grosse Rolle.

Viel wichtiger fuer uns ist diese vor allem von der Partei des milliardenschweren Christoph Blocher heraufbeschworene Bedrohung. Dabei ist e suns voellig egal, ob nun viele Menschen aus diesen Laendern in die Schweiz Arbeit suchen werden, oder nicht. Denn wir stehen auf dem Arbeitsmarkt sowieso alle in Konkurrenz zueinander und muessen stets darauf achten, fleissiger, qualifizierter, angepasster, kreativer und so weiter zu sein, als alle anderen. Wir, die zu Lohnarbeit gezwungenen Menschen, stehen zueinander in Konkurrenz. Wir sind getrennt voneinander, muessen einander uebertrumpfen, gegeneinander kaempfen – der Staerkere ueberlebt nunmal, so wollen sie uns glauben machen.

Gleichzeitig sollen wir aber auch zu Voelkern geeint werden. Die Fremden bedrohen die Schweiz, unser Land, unsere Heimat, uns Schweizer und Schweizerinnen. Dies symbolisierte das Plakat mit den grimmig blickenden schwarzen Voegeln, die das arme, rote Laendchen mit seinem huebschen weissen Kreuzchen zu zerpicken drohen. Die Sprache des in unseren Koepfen noch immer praesenten Schaefchenplackats ist dieselbe: Weisse, also reine Schaefchen auf schweizer Boden, kicken ein schwarzes Schaf, diesen boesen Fremdkoerper, hinaus aus der Schweiz.

Es ist absolut offensichtlich, dass der bunt zusammengewuerfelte Haufen, den diese Propaganda als SchweizerInnen bezeichnet aus unterschiedlichsten Menschen besteht, deren einzige Gemeinsamkeit unter Umstaenden die Zuegehoerigkeit zu eben dieser konstruierten Gemeinschaft ist.

Konstruiert werden diese Gemeinschaften durch ebensolche Propanganda, durch Gruendungsmythen, die gelehrt und erzaehlt werden, durch Nationalfeiertage, die sich meist auf diese Gruendungsmythen beziehen, durch die Medien, die staendig darauf Bezug nehmen und so weiter.

Neben diesen stark ausgebauten Identitaetskonstrukten, die als Nationen bezeichnet werden, gibt es aber unzaehlige weitere, die ebenfalls zur Verfuegung stehen, um uns kuenstlich voneinander zu trennen und dadurch zu schwaechen und um uns zu einfach zu handhabenden Marionetten zu machen.

 

Wir haben die Schnauze gestrichen voll davon! Wir wollen uns nicht mehr laenger manipulieren lassen. Wir definieren Gemeinschaften nicht ueber Nationen, das Geschlecht oder aehnliches. Wir gehoeren zueinander, weil wir einander treffen, uns austauschen, miteinander lachen und straiten, uns lieben, weil wir zueinander stehen, weil wir die Schnauze voll haben davon, dass unsere Leben, dass WIR versklavt, verstuemmelt, zerstoert und getoetet werden und jede Person, die uns dergleichen antut, soll unser Gegner sein.

 

 

@morph

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