Frauentag 2013: Gedenken an Louise Michel

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Frauentag 2013: Gedenken an Louise Michel

Der 8. März ist der internationale Frauentag. Seit über 100 Jahren
finden im März große Demonstrationen und Veranstaltungen für
Frauenrechte statt. Nachdem der Tag in den USA erstmals 1908 ein
Erfolg war, wurde er als weltweiter Aktionstag von der deutschen
Sozialistin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen
Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen vorgeschlagen.

Die Antispe Tübingen möchte dieses Jahr diesen Tag dazu nutzen der
Feministin, Anarchistin, Sozialistin, Lehrerin und antikoloniale und
revolutionären Kämpferin Louise Michel genannt La Louve Rouge, die
Rote Wölfin, zu gedenken. Louise Michel hat sich nicht nur über das
Leid der Tiere politisiert, sie kämpfte auch bis ihr Lebensende für
die Befreiung von Mensch und Tier: In der Pariser Kommune als
Lehrerin, zu deren Verteidigung mit dem Gewehr in der Hand hinter den
Barrikaden, im Exil auf Neukaledonien mit den Indigenen gegen die
Kolonialisierung und den Eurozentrismus und schließlich in Frankreich
und England als Agitatorin für die Revolution.
Louise Michel wurde am 29. Mai 1830 als Tochter einer Dienstmagd und
des Hausherren auf dem Schloss Broucourt im Nordosten Frankreichs
geboren. Bereits in ihrer Kindheit auf dem Lande politisiert sie sich:
?Von der Zeit, da ich auf dem Land die Grausamkeiten gegen die Tiere
erlebte und das entsetzliche Bild ihrer Lebensbedingungen erfaßte,
stammt mein Mitleid für sie und dadurch mein Bewußtsein über die
Verbrechen der Macht. So handeln die Führenden mit den Völkern!? Seit
sie das Köpfen einer Gans miterlebt, fällt es ihr schwer, Fleisch zu
essen. In ihren Memoiren schreibt sie: ?Einige Jahre später wurde in
einem Nachbardorf ein Vatermörder hingerichtet; zu der Stunde, da er
sterben wollte, mischte sich in mein Grauen vor der Todesqual des
Mannes meine Erinnerung an die Todesqual der Gans.?

Das Leben auf dem Lande verhilft ihr auch zu ihrem Klassenstandpunkt,
da sie das Leben der Bauern miterlebt. Später schreibt sie dazu: ?Was
die Reichen betrifft, so hatte ich für sie wenig Achtung; und da kam
mir der Kommunismus in den Sinn. Die harte Feldarbeit sah ich so, wie
sie ist: sie beugt den Menschen wie den Ochsen über die Furchen; das
Schlachthaus steht für das Tier bereit, wenn es verbraucht ist; der
Bettelsack für den Menschen, wenn er nicht mehr arbeiten kann?.
Michel macht eine Ausbildung zur Lehrerin. Als sie diese 1852 mit
einem Eid auf den Staat beenden soll, weigert sie sich, denn dieser
ist wieder eine Monarchie. Vier Jahre nachdem 1848 Frankreich zum
zweiten mal Republik geworden war, hatte sich Napoleon der III zum
Kaiser krönen lassen. Louise Michel ist seit 1867 bei den
revolutionären Blanquisten aktiv und demonstriert in Paris gegen
Napoleons Krieg gegen das Königreich Preußen ? und wird von der
Polizei niedergeknüppelt. Das Kaiserreich kollabiert 1870; die danach
gebildete bürgerliche Regierung führt den Krieg fort, und sieht sich
gezwungen die Bevölkerung von Paris gegen die Preußen mit Kanonen zu
bewaffnen. Als 1871 Paris von preußischen Truppen belagert wird,
schließt die konservative Zentralregierung Frieden mit Preußen,
während Paris seine eigene kommunale Verwaltung wählt, die, unter
Einfluss der Blanquisten und der teilweise anarchistisch beeinflussten
Mitglieder der Internationalen Arbeiterassoziation für eine
Fortsetzung des Krieges zur Erhaltung ihrer Freiheiten stimmt. Die
Tage der Kommune beginnen damit, dass die bürgerliche Regierung mit
Sitz in Versaille der Pariser Bevölkerung die Kanonen wieder abnehmen
möchte und dazu zwei Bataillone Soldaten schickt. Pariser Frauen
bekommen dies aber mit und stellen sich zwischen die Soldaten und die
Kanonen. Als die Soldaten den Befehl zum Schießen bekommen, wenden sie
sich gegen ihre Generäle und stellen sich auf die Seite der
Bevölkerung von Paris. Die Paris Kommune ergreift ihre Autonomie
errichtet eine Rätedemokratie, die seither als Vorbild für
Basisdemokratie und Anarchismus gilt und für Marx und Engels ein
Beispiel der Diktatur des Proletariats war. In Paris findet in den
folgenden zwei Monaten eine unvergleichliche basisdemokratische und
proletarische Revolution statt. Erstmals ergreifen die Arbeiterinnen
und Arbeiter direkt die Macht und nehmen u.a. Enteignungen von Teilen
des Bürgertums vor, führen strickte Trennung zwischen Staat und Kirche
ein und es entsteht die erste feministische Massenorganisation.

Louise Michel organisiert mit und ist gleichzeitig als Lehrerin aktiv.
Auch in ihren feministischen Ansichten zieht Michel Verbindungen zur
Ausbeutung der Tiere: ?Die Engländer züchten Tierrassen für das
Schlachthaus; die zivilisierten Menschen bereiten den jungen Mädchen
das Schicksal vor, betrogen zu werden, um es ihnen dann als Verbrechen
anzurechnen und dem Verführer fast als Ehre. Welch ein Skandal, wenn
sich Eigensinnige in der Herde befinden! Wo kämen wir denn da hin,
wenn sich die Lämmer nicht mehr schlachten lassen wollten? Es ist
wahrscheinlich, daß man sie trotzdem schlachten würde, ob sie den Hals
hinhalten oder nicht. Was soll?s! Es ist doch besser, ihn nicht
hinzuhalten. Manchmal verwandeln sich die Lämmer in Löwinnen, in
Tigerinnen oder Kraken. Recht so! Man hätte die Kaste der Frauen nicht
von der Menschheit trennen sollen. Gibt es nicht Märkte, wo die
schönen Töchter des Volkes auf der Straße ausgestellt und verkauft
werden, und werden nicht die Töchter der Reichen für ihre Mitgift
verkauft??
Nach 71 Tagen wird die Paris Kommune von der bürgerlichen Regierung,
inzwischen im Bunde mit den preußischen Monarchisten, angegriffen und
in der ?Blutigen Maiwoche? erstürmt. Louise Michel führt zusammen mit
Elisabeth Dimitroff die bewaffneten Frauen von Paris an und verteidigt
im 61. Bataillon von Montmartre mit vielen anderen Parisern in
Barrikadenkämpfen die Stadt bis zuletzt. Doch die Regierungstruppen
siegen und richten 30.000 Kommunardinnen und Kommunarden hin.

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Selbst vor Gericht steht Michel zu ihren Taten und verteidigt ihre
Vision einer freien Gesellschaft: ?Ich habe Paläste angezündet?,
gesteht sie und, ?Ich habe getötet, es ist nur gerecht, daß man mich
tötet.? Obwohl sie keine Gnade erwartet, wird sie wie 40.000 andere zu
Festungshaft verurteilt, lebenslang. Nach zweieinhalb Jahren
Frauengefängnis wird sie mit vielen anderen nach Neukaledonien, einer
zu Frankreich gehörenden Insel östliche von Australien, verbannt. Als
im Jahr 1878 die dortige indigene Bevölkerung, die Kanak, unter
Häuptling Atai gegen die französischen Kolonialherren revoltieren,
stellt sich Michel ? im Gegensatz zu vielen anderen verbannten
Kommunarden ? auf die Seite der Indigenen, mit denen sie bereits
Kontakt geknüpft hatte: ?Auch sie kämpfen für ihre Unabhängigkeit, für
ihr Leben, für die Freiheit. Ich stehe auf ihrer Seite, wie ich auf
der Seite des Volkes von Paris stand, das revoltierte, niedergemacht
und besiegt wurde?, sagt sie, und, im Rückblick: ?Ja, ich liebte sie
und liebe sie, und die, die mir zur Zeit der Revolte vorwarfen, ich
wünschte, daß sie sich ihre Freiheit erobern mögen, hatten recht. Die
Eroberung ihrer Freiheit!?

Nach einer Generalamnestie 1880 kehrt sie nach Paris zurück und wird
drei Jahre später aber schon wieder zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt,
weil sie zur Plünderung von Bäckereien aufgerufen hatte. Sie lässt
sich aber von der Repression nicht unterkriegen: ?Mein Mitleid für
alles, was leidet, für das stumme Tier vielleicht noch mehr als für
den Menschen, ging weit; meine Empörung über die sozialen
Ungerechtigkeiten ging noch weiter; sie ist gewachsen, immer mehr
gewachsen, durch den Kampf hindurch, durch das Gemetzel hindurch; ich
habe sie wieder mitgebracht von jenseits des Ozeans, sie beherrscht
meinen Schmerz und mein Leben.? Als sie 1885 erneut begnadigt wird,
versucht sie dies zurückzuweisen. 1888 wird sie im Theater von einem
Attentäter mit zwei Pistolenschüssen am Kopf verletzt, aber sie
verzichtet auf eine Anzeige.

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Das Attentat auf Louise Michel 1888

Ihr Leben verschreibt sie nach wie vor der Revolution: ?Als
menschliche Insekten, die wir sind, nagen wir an denselben Abfällen
und wälzen uns in demselben Staub, erst in der Revolution werden wir
mit unseren Flügeln schlagen. Dann wird die Schmetterlingspuppe ihre
Umwandlung hinter sich haben, alles wird für uns vorbei sein, und
bessere Zeiten werden Freuden kennen, die wir nicht begreifen.?
Die Erfahrung der Freiheit in der Pariser Kommune wirken nach. Louise
hat keinen Zweifel: ?Wenn unsere verfluchte Zeit abgelaufen ist, wird
der Tag kommen, da der bewußte und freie Mensch weder Mensch noch Tier
quälen wird. Diese Hoffnung ist es wert, durch das Grauen des Lebens
hindurchzugehen.?Sie hält aufstachelnde Vorträge vor der von
französischen Anarchist*innen geplanten 1.Mai-Kundgebung 1890. Diesmal
erfolgt Repression, indem sie für verrückt erklärt wird und in eine
Nervenheilanstalt in Lyon eingeliefert wird. Die nächsten Jahre
agitiert sie weiter in Frankreich und England; unter anderem hält sie
1904 einen Vortrag zu Feminismus in der Freimaurerloge La Philosophie
Sociale. Als sie 1905 stirbt kommen 120.000 Menschen zu ihrer
Beerdigung.

Louise Michel war nicht nur eine große Feministin, Kämpferin,
Revolutionärin und Anarchistin! Für uns antispeziesische Linke stellt
sie eines der besten und konsequentesten Beispiele des Kampfes gegen
Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Tier dar!

An diesem 8.März 2013 wollen wir außerdem der Sozialistin, Kämpferin
und Freundin von Rosa Luxemburg, Mathilde Jacob gedenken, die an
diesem Tag vor 140 Jahren in Berlin zur Welt kam. Jacob schmuggelte
für Luxemburg, zur Zeit deren Gefängnisaufenthalt, zahlreiche Briefe
und politische Schriften aus dem Gefängnis. Ohne ihren Mut wären viele
Schriften Luxemburgs heute verschollen. Als Jüdin wurde sie 1942 ins
KZ Theresienstadt verschleppt und starb dort ein Jahr später.

Ergänzung tulpe:
Raus auf die Strasse am 9. März 2013, an die Frauendemo zum
internationalen Frauenkampftag! 13.30 Hechtplatz Zürich:
http://ch.indymedia.org/de/2013/02/88877.shtml

_______________________________________________
Tierbefreiungsinfo
Tierbefreiungsinfo@lists.immerda.ch
https://lists.immerda.ch/mailman/listinfo/tierbefreiungsinfo

http://www.facebook.com/antispeziesistischeaktion

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