Demonstration “Wem gehört Zürich?”: Bunter Protest gegen Verdrängung und für bezahlbaren Lebensraum in der Stadt

Zürich, 21.6.2014.Circa 2000 Menschen setzten heute mit einer bunten Demonstration unter dem Motto „Wem gehört Zürich?“ ein unüberhörbares Zeichen gegen Gentrifizierung und Verdrängung durch Immobilienspekulation. Verschiedene Redebeiträge thematisierten die Zürcher Verdrängungsproblematik und forderten bezahlbaren Wohn-, Arbeits- und Kulturraum für alle. Das Abendprogramm mit Nachtessen und Konzerten findet auf dem Labitzke-Areal statt. Mit einer spektakulären Kletteraktion am Hafenkran und in der Nacht vor der Demonstration brandmarkten AktivistInnen rund 50 Baukräne als Symbol für die spekulative Bautätigkeit der Grossimmobilien-Konzerne wie Mobimo, PSP, SBB & Co.

Bei strahlendem Sonnenschein setzten heute zwischen 14h bis 16.30h mehr als 2000 Menschen lautstark ein Zeichen für eine bunte und lebendige Stadt, die nicht länger von Kapitalinteressen dominiert, sondern in der viele verschiedene Menschen und Kulturen ihren Platz finden sollen. Zahlreiche selbstgebaute Demofahrzeuge – eine Abrissbirne, verschiedene Klötzli-Häuser, ein Mobimo-Monster, Musikwagen sowie Transparente verströmten eine gute Stimmung. Verschiedene Gruppierungen verteilten Flyer und Pamphlete, inklusive gelbe Büschel als Symbol des Widerstandes gegen „Abriss auf Vorrat“, sowie eine überarbeitete Neuauflage der Demo-Zeitung von Wem gehört Zürich. Die Demonstration wurde lautstark von einer Sambagruppe angeführt, welche PassantInnen und Demo-TeilnehmerInnen zum Tanzen brachte. Im Anschluss an die Demonstration zogen viele TeilnehmerInnen ins besetzte Labitzke-Areal, wo ein Fest mit Nachtessen (Vokü) und Konzerten stattfindet.

Die Aktion Wem gehört Zürich ist ein breites Bündnis von über 20 Organisationen aus dem sozialen bis subkulturellen Umfeld. Genossenschaften und Quartiervereine, MigrantInnen-Organisationen und karitativ-soziale Institutionen, MieterInnenverbände und besetzte Häuser, KünstlerInnen und Kleingewerbler setzten sich gemeinsam ein für bezahlbaren Wohn-, Arbeits- und Kulturraum und gegen Verdrängung. Denn so unterschiedlich diese Organisationen sind – wir alle sind von der Verdrängung durch den Kapitalverwertungsdruck in der Stadt Zürich betroffen und setzen sich auf ihre Art für Alternativen ein.

Reto P. vom Wem gehört Zürich meint: „Die Demo ist ein Erfolg! Tausende machten klar: Wem gehört Zürich? Uns allen! Und nicht den Spekulanten und kapitalstarken Immobilien-Konzernen, welche die Verdrängung fördern und von dieser profitieren. Mit allen meinen wir: allen Menschen – unabhängig von ihrem sozialen Status, Einkommen, Geschlecht, Alter, Herkunft oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen. Für eine bunte und lebenswerte Stadt wollen wir kämpfen. Denn die Stadt sind wir. Eben: wir alle!“

Verena Mühlethaler, Pfarrerin Offene Kirche St. Jakob sagte: „Als Pfarrerin im Kreis 4 erfahre ich regelmässig, was Gentrifizierung und sogenannte Aufwertung für verheerende Wirkung auf Menschen haben kann. Gemeinsam mit Wem gehört Zürich wollen wir uns dafür einsetzen, dass es bezahlbaren Wohnraum für alle gibt!“

Ein Vertreter der Autonome Schule Zürich betonte: „Für weniger privilegierte Menschen, insbesondere MigrantInnen, wird es in Zürich immer enger. Auch für die Autonome Schule Zürich und ihre NutzerInnen sieht es kritisch aus: Ende August müssen wir alle von der Badenerstrasse raus. Wir wissen noch nicht, wohin wir gehen. Eins ist klar: Für unsere Deutschkurse brauchen wir viel Raum.“

Auch VertreterInnen von Zwischennutzungen und Besetzungen wie die Zitrone an der Badenerstrasse oder dem Labitzke-Areal forderten in ihren Redebeiträgen mehr kulturelle Freiräume, kein Abriss auf Vorrat (wie zum Beispiel im ehemals besetzten Haus in der Binz geschehen) und eine weniger menschenverachtende Stadtenwicklung. Neben der Zitrone in Altstetten, wo über 300 KünstlerInnen und der Autonomen Schule auf Ende August gekündigt wurde, und dem nach wie vor teils gemieteten und teils besetzten Labitzke-Areal ist auch der beliebte Kultursquat Autonomer Beauty Salon akut von Räumung bedroht – dies obwohl die Mobimo Immobilien AG weder über eine Baubewilligung verfügt, noch das eigentliche Baubewilligungsverfahren mit einer öffentlichen Ausschreibung eingeleitet hat. Doch es geht nicht nur um diese Kultur-, Wohn- und Gewerbenutzungen – denn sehr viel mehr Menschen sind existentiell von der Verdrängung betroffen, insbesondere auch Alleinerziehende, MigrantInnen und ältere Menschen, die ebenfalls an der bunt gemischten Demonstration teilnahmen.

Bereits vor der Demo bekletterten unbekannte AktivistInnen in einer gross angelegten, spektakulären Aktion rund 50 Baukräne – inklusive Gentrifikations-Projekte wie Pfingstweidpark, SBB-Spekulationsschneise Hauptbahnhof bis Schlieren, Zollfreilager – und brandmarkten diese weit herum sichtbar mit gelbem Absperrband und teils mit Spruchbändern. Die Baukräne stehen für die spekulative Bautätigkeit der Grossimmobilien-Konzerne wie Mobimo, PSP, SBB & Co. und dem leichtfertigen Ausverkauf von Boden und Lebensraum an den Meistbietendenden durch die Stadt und den Kanton Zürich.

Weitere Hintergründe wie Informationen zu den unterstützenden Organisationen und alle Redebeiträge finden Sie auf www.wem-gehoert-zuerich.ch. Dort finden Sie auch das begehrte Demo-Magazin in elektronischer Form und Fotos in hoher Auflösung von der Demo und der nächtlichen Kran-Aktion, die Sie gerne in Ihrem Medium veröffentlichen können.

Redebeiträge

Medienkontakte „Wem gehört Zürich“: Reto Plattner (076 436 36 12), Rahel Nüssli (077 952 45 33)

Hafenkran Klaus Rosza Sambaband Klaus RoszaFressturm Klaus Rosza wem gehoert zueri_013_hafenkran klaus-rasza_transparent-hafenkran_01 (Fotos oben Klaus Rosza)

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Wem gehört Zürich? Kletter-AktivistInnen beflaggen 50 Baukräne als Protest gegen fehlgeleitete Stadtentwicklung und fordern erschwinglichen Lebensraum für alle

Altstetten/Zürich, 21.6.2014. In der Nacht vom Freitag auf Samstag und als Auftakt zur heutigen Demonstration von „Wem gehört Zürich“ kletterten schwindelfreie AktivistInnen auf knapp 50 Baukräne und markierten diese weit herum sichtbar mit Büscheln aus gelbem Absperrband. Die Standorte sind über die ganze Stadt verteilt und beinhalten Gentrifikations-Hotspots wie Pfingstweidpark, SBB-Spekulationsschneise, Freilager-Areal und Hohlstrasse (Höhe Labitzke-Areal). Es sind die gleichen gelben Absperrband-Büschel, wie sie derzeit das Labitzke-Areal zieren und der Mobimo „Finger weg!“ signalisieren. Damit brandmarkten die Kletter-AktivistInnen einen Grossteil der derzeitigen Baukräne, die als Symbol für die spekulative Bautätigkeit der Grossimmobilien-Konzerne wie Mobimo, PSP, SBB & Co stehen. Es liegt in der Verantwortung der Stadt und Kanton Zürich, dem Ausverkauf von Grund und Boden sowie der fortschreitenden Ausgrenzung von Menschen aus der Stadt einen Riegel zu schieben. Die AktivistInnen setzten sich mit ihrem spektakulären Protest für erschwinglichen Lebens- und Freiraum, günstige Mieten und „kein Abriss auf Vorrat“ bei gefährdeten Zwischennutzungen wie dem Autonomen Beauty Salon, der Zitrone und Labitzke-Areal ein – eine weitere Brache wie in der Binz ist nicht tolerierbar.

Bilder der Baukranen-Aktion in hoher Auflösung zum Downloaden siehe unten.

Die Demonstration zu Wem gehört Zürich, welche von rund 20 Organisationen unterstützt wird, startet heute um 14h bei der Ratshausbrücke und endet 16.30h beim Helvetiaplatz. Das Abendprogramm mit Vokü und Konzerten findet auf dem Labitzke-Areal statt.

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