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Solidarität mit der Revolution in Rojava!

Posted in Deutschsprachige Artikel with tags , , , on 27/09/2014 by Karakök

rojava_bildRojava ist ein autonom verwaltetes Gebiet (ehemals zu Syrien gehörend), welches durch kurdische Freiheitskämpfer_innen im November 2013 befreit wurde. Die Bevölkerung besteht aus 2.5 Millionen Menschen. Die Verwaltung aller Alltagsstrukturen (z.B. Schulen, Bäckereien, Kliniken, Tankstellen) findet auf basisdemokratischer Ebene statt. Eine zentralistische Regierung gibt es nicht. Alle in der Region lebenden Menschen, unabhängig von Ethnie, Religion oder Sprache, sind im Volksrat vertreten. Entscheidungen werden hierdurch selbstbestimmt und von unten gefällt. Es besteht eine Frauenquote von 40% in allen Verwaltungen. Das ist nicht nur im Nahen Osten einzigartig. Zusätzlich organisieren sich Frauen in autonomen Strukturen. Es gibt Frauenzentren, in denen Selbstorganisierung und Empowerment stattfindet. Die Strukturen orientieren sich deutlich an anarchistischen Ideen, so flossen in der konkreten Umsetzung des Projektes Ideen von Bakunin, Kropotkin, aber auch Zerzan ein.

Rojava ist eine sichere Insel für alle Ethnien oder Minderheiten, die in der Region unterdrückt oder verfolgt werden – Araber, Sunniten, Armenier, Assyrer, Aleviten, Yeziden, darunter z.B. auch christliche Minderheiten. Ebenfalls setzt sich die Region gegen die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen ein. Erklärtes Ziel ist der Aufbau einer rätedemokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft. Das Projekt ist als solches einzigartig auf der Welt und die Region gilt als eines der sichersten Gebiete in Syrien – auch, weil sie bewaffnet gegen aussen verteidigt wird.

Angriff von allen Seiten

In der aktuellen Situation ist Rojava von allen Seiten bedroht. Einerseits von der ISIS, welcher Rojava ein Dorn im Auge ist. Andererseits vom Assad-Regime und der türkischen Regierung, welche das autonome Rojava angreifen. Unter diesen Bedingungen zu bestehen, ist nicht leicht.

Umgebende Regierungen kontrollieren die Grenzen und verhindern Import wie Export. Es fehlt an Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Versorgung, Unterkünften. Die Stromversorgung wurde durch die ISIS gekappt, damit ist auch die Wasserversorgung zusammengebrochen. Grenzdörfer von Rojava werden durch die ISIS angegriffen, so erfolgte letzte Woche der Angriff auf Kobane, wobei 300 Kämpfer_innen, welche das Gebiet verteidigen, ums Leben kamen. Rojava ist als autonomes, basisdemokratisches Projekt akut bedroht und damit alle Menschen, die hier Zuflucht und Hoffnung gefunden habe. Die Menschen leiden Hunger, sind obdachlos oder sterben durch Krankheit und bewaffnete Angriffe.

Wie können wir Rojava unterstützen?

Am wichtigsten ist es, über das Projekt zu berichten, die Informationen zu streuen, denn in europäischen Medien ist kaum etwas zum Thema zu lesen. Berichtet über Rojava in eurem Umfeld, auf euren Websiten und Blogs. Macht Aktionen oder Kampagnen. Regelmässige Infos auf Englisch findet ihr in der Online-Zeitung „Firatnews“ → http://en.firatajans.com (oder indem ihr uns kontaktiert). Ganz konkret fehlt es auch an Geld für Lebensmittel, Kleidung, Unterkunft, Medikamente. Beiträge an folgendes Konto gelangen direkt an die Bevölkerung:

Für Deutschland:
Kreissparkasse Köln
50667 Neumarkt: 18-24 / Deutschland
Konto. Nr: 40 10 481
BLZ: 370 502 99
IBAN: DE 49 370 502 99 000 40 10 481
BIC/SWIFT: COKSDE33XXX
Für die Schweiz: 
PostFinance AG
IBAN: CH0209000000800171928
BIC/SWIFT : POFICHBEXXX
Heyva Sor A Kurdistane Schweiz, Zürich
Kontonummer: 80-017192-8
Zahlungsweg: Stop Isis
 

Zeigen wir der Bevölkerung von Rojava, dass sie nicht alleine ist und sorgen wir dafür, dass dieses einzigartige Gebiet weiter bestehen kann!

Karakök Autonome

 
Fotos: die aktuelle Situation in Kobane (Stadt in Rojava)

kobane_aTurkish soldiers stand guard as Syrian Kurds wait behind the border fence to cross into Turkey near the southeastern town of Suruc in Sanliurfa provincekobane_e

 

Ein Zivi auf der SiKo (und die Solidarität)

Posted in Deutschsprachige Artikel with tags , , , on 12/02/2009 by Karakök
born against 08.02.2009 11:15 Themen: SiKo München

Persönlich erlebtes, subjetive Eindrücke auf der SiKo-München, die zum Anlaß genommen werden sollen, um auf Mißstände hinzuweisen, die wir in den eigenen Reihen verändern müssen!

Ein Zivi auf der SiKo (und die Solidarität)
Samstag 7. Februar München
Gegen 12:30 kam ich am Marienplatz an und mischte mich unters Volk, immer auf der Suche nach bekannten Gesichtern. Diese ließen auch nicht lange auf sich warten + abgesehen von den wenigen Münchnern, die ich kannte, traf ich dann auch noch einige türkische Anarchisten. (viele Grüße an Karakök aus München!)
Ansonsten schoß ich einige Fotos + hörte vereinzelt Gesprächen zu.
Kurz bevor der Zug sich in Bewegung setze, inspizierte ich dann die einzelnen Lautis + deren „Bewachung“.
(Fahrer- oder Beifahrer-Tür von Lautsprecherwägen zu eskortieren ist eine meiner Lieblingssportarten…)
Im Lauf der Demo hab ich dann geblickt, daß ich im Jugendblock teilnahm.
Aber kein Problem für mich, waren es doch andere Kriterien als die des Alters, die mich zu dieser Standortwahl innerhalb des Protestmarsches bewegten.

Problematisch war auf jeden Fall, daß die linke Flanke des Lautis
(meine Position) die meiste Zeit gänzlich ungedeckt, oder nur sporadisch gedeckt war. Der Sprecher des Wagens forderte zwar oft genug dazu auf, dies zu ändern, aber länger als 15 Minuten hats leider nie gehalten.
Zur Verteidigung der Demonstranten muß aber auch gesagt werden, daß die Ordnungsmacht diverse Schikanen bereithielt, so wurden z.B. einige Durchfahrten gesperrt, wodurch der Fahrer des Lautis gezwungen war, mehrere Bordsteinkanten zu überqueren + sich zwischen Hindernissen wie Straßenspielerorgeln, Bullenwannen + Obstständen hindurchzuquetschen.
Derartige Behinderungen waren so einige zu überwinden + so wurde allmählich der Abstand zum internationalistischen Block, welcher vor uns war, immer größer.
Folglich versuchten der Fahrer, Beifahrer + die beiden Ordner vorm Lauti, den Abstand zwischen uns + dem internationalistischen Block immer wieder zu verringern, was natürlich dazu führte, daß die Lauti-Eskorten Links- und Rechts– Seitig des öfteren zurückfielen.
Irgendwann gabs dann eine Durchsage, daß sich rechts + links vorne am Lauti Zivis befänden + diese wurden eindringlich aufgefordert, sich aus der Demo zu verpissen + vor allem aus dem Jungendblock, weil man ihnen ja ansähe, daß sie nicht mehr allzu Jugendlich seien.
Da ich schon ganze 32 bin, hat das wohl gereicht, um aus mir den Zivi zu machen, so tuschelten zumindest einige Mädels links vor mir, daß ich als einziger Älterer in diesem Abschnitt der besagte Zivi sein mußte. Daß von mir keine Teilnahme an den Sprechchören kam, war für sie auch ein eindeutiges Indiz.
Und hier gilt mein Respekt den Jugend-Ketten, die mich fortan bewachten, auch wenn ich anfangs ziemlich angepisst darüber war.
Man hätte mich ja einfach fragen können, aber was hätte das letztendlich gebracht?
Egal was ich entgegnet hätte, Beweise zu liefern wäre unmöglich gewesen.
(Da hatt ich ja Glück, daß ich wenigstens nicht als Pädophiler „enttarnt“ wurde!)
Der Fahrer hatte schon die 50 überschritten + hat sich genauso wenig wie ich an den Sprechchören beteiligt, dennoch wurde er nicht Verdächtigt, der Feind in den eigenen Reihen zu sein.
Der Beifahrer hätte aber durchaus etwas deeskalierend agieren können, da ich ihm nicht gänzlich unbekannt bin, mehr als ein grinsen konnte ich ihm aber nicht abringen, wenn sich unsere Blicke gelegentlich trafen.
Letztendlich ist die Sache aber durchaus positiv zu bewerten, denn da ich von nun an immer einen Geleitschutz von 2-3 Ketten aus 15-20 Personen hatte, war auch der Lauti ab diesem Zeitpunkt an seiner linken Flanke besser (wenn auch immer noch spärlich) gedeckt.
Übel aufgestoßen ist mir auch noch, daß wieder einmal so einige Menschen aus den Blöcken gedrängt wurden, die Bier tranken.
Natürlich ist es absolut dämlich, wenn wenige ihre Flaschen irgendwo in der Menge liegen lassen.
Aber das sind doch nicht Alle, außerdem ist ein Bier auch durchaus angebracht, um die Hemmschwelle an den richtigen Punkt zu bringen. (nur meine Meinung)
Hätte ich nicht schon wegen der 1,5 L Wasser sowieso so dringend zum Pissen gemusst (was ich mir aufgrund der unzureichenden Lauti-Eskorte aber verkniff), hätte ich auch mein mitgebrachtes Bier getrunken.
Wenn ein Bier pro Person in unseren Reihen ein ernsthaftes Problem ist, das dazu führt, daß man den Bullen willkürlich zum Fraß vorgeworfen wird, stellt sich doch die Frage, wie „Wir alle“ nach der vielbeschworenen + ewig herbeigesehnten Revolution miteinander klarkommen könnten.

Nach Demoende, so gegen 19 Uhr stand ich dann noch am Fischbrunnen um mir doch wenigstens noch ein „Feierabendbier“ zu gönnen. Dabei kam ich mit 2 Demokollegen (einem Spanier und einem Thailänder) ins Gespräch, denen ich vorher schon an der Schleuse begegnet war.
(Einer davon durfte die Abschlusskundgebung an der Bullenschleuse 15 Minuten lang wegen einem Che-Guevara-Shirt nicht verlassen, was hier schon zu Konfrontationen mit der Staatsgewalt führte. Vielleicht ham sie sich sein Gesicht gemerkt?
Das Video hierzu folgt noch…)

Die Cops, die die Absperrgitter abbauten entfernten uns unsanft, was wir dementsprechend kommentierten, uns aber weiter nicht darum kümmerten.

Nachdem die Absperrgitter verladen waren, gönnten sich 1Polizistin und ihre 8 Kollegen noch einen kleinen Abschlußspaß, indem sie meinen spanischen Kollegen umringten.
Er wurde von Einem in den Schwitzkasten genommen, ein anderer Cop stieß ihm den Helm in die Rippen, während ein Dritter auf seinem Fuß stand. Der Rest bildete einen Kreis drumherum + der Spanier bekam wie herrlichsten Angebote, die ich hier nicht aufzählen muß, weil`s ja allgemein bekannt ist, was man sich an Drohungen so anhören darf.
Als ich die wenigen Schritte bis auf einen Meter herankam, um die Angelegenheit auf Video zu bannen, hatte ich bereits 2 Stöße gegen Brust + Hals eingesteckt, gefolgt von einem Ellenbogen in der Magengegend, noch bevor ich meine Kamera überhaupt auspacken konnte.
Dies wurde lautstark mit den Worten „Hau ab! Hau bloß ab!“ kolportiert, nur wär ich gar nicht dazu gekommen, weil ich erst mal 2 Minuten zusammengeklappt in der Hocke verbrachte.
Dann wurde noch der Thailänder dazu eingeladen, mit um die Ecke zu kommen um „…in den Arsch gefickt zu werden, daß er in einem Monat noch Fransen hat…“

Bis hierhin ja alles normal, – everyone knows!!!

Was aber nun wirklich unerträglich ist:
10-12 Autonome kamen des Weges + haben diese Szene genau beobachtet, gingen aber zügig weiter (vielleicht mußten sie ja noch zu nem wichtigen Plenum?) + die 7 oder 8 Punks, die am Fischbrunnen ebenfalls zusahen + friedlich ihr Bier tranken haben die Szene nur mit den Worten „Wir sehn uns am 1. Mai in Berlin!“ kommentiert.
Hätten sich beide Gruppen die maximal 15 Schritte zu uns angenähert, wäre das Kräfteverhältnis 2:1 für uns gewesen + wir hätten diese 20 Minuten anders erlebt.

In diesem Sinne kann ich nur sagen: „Hoch die (internationale) Solidarität!“ +
„No justice, no peace – Fight the Police”.

Was für ein scheiß Gelaber! Diese Worte verlieren jegliche Bedeutung, wenn man sich noch nicht mal in einer solch eindeutigen Situation seiner Stärke bewußt ist!

Natürlich schere ich hier nicht einfach Gruppen wie Autonome oder Punks (in denen ich mich selbst wiederfinde, auch ohne meine Kleiderordnung perfekt angepaßt zu haben…) über einen Kamm, auch bin ich mir bewußt, daß dies nur ein absolut subjektiver Bericht ist (Objektivität ist meist sowieso nur Illusion),
dennoch halt ich es für wichtig, all diese persönlichen Erlebnisse hier zu erzählen, weil sich so etwas ja nicht zum ersten mal ereignet hat.

Mir ist klar, daß wir schon genügend Zerwürfnisse innerhalb unserer Reihen haben, ich habe diesen Text aber nicht geschrieben, um dies noch zu Verschärfen sondern um die eklatanten Mißstände aufzuzeigen, die nicht hinnehmbar sind!

Wo wollen wir hin?
Wollen wir eine ernsthafte Veränderung?
Wollen wir nur während einer Demo unsere Rechte vertreten, unsere Stärke zeigen + klarmachen, wo unsere Ziele liegen (auch wenn wir nicht immer alles unterschreiben könn(t)en, was die Person neben uns macht, denkt, sagt),
oder wollen wir für all das auch vor und nach einer Demo eintreten, an jedem Tag!, ohne uns ständig gegenseitig zu bekämpfen oder nur die eigene Haut zu retten?

Was sind die Parolen wert, wenn sie nur zu hohlen Phrasen werden?

(ich weiß, daß dies alles sehr pathetisch klingt, mir geht’s aber um eine wirkliche Veränderung + ein Umdenken + nicht ums Gejammer!)

Greetinx!

born against

Quelle: de. indymedia.org.