02- Anarchafeminismus & Militärdienstverweigerung

„Do it yourself“ ist im Grunde die Basis jedes anarchistischen Handelns. Je mehr Menschen in allen Bereichen und auf allen Ebenen des Systems in diesem Bewusstsein handeln, umso wirkungsvoller können wir individuelle und kollektive Alternativen hervorbringen. Sobald wir als Individuum leben und eigene Alternativen erschaffen, zerstören wir auch das indoktrinierte System in uns drin. Die Mauern in jedem einzelnen Individuum sind es, die das bestehende System stützen und aufrechterhalten. Sie niederzureissen bedeutet, das System von innen auszuhöhlen, bis irgendwann nichts mehr von ihm übrig ist. Die Konfrontation von Individuum und Gesellschaft bringt neue Denkmuster und bleibende Alternativen hervor – sie ist gleichwertig mit der Konfrontation mit Frauen- und Männerrollen.

In den Jahren 1960-1970 wurde eine Reihe an sexuellen und kulturellen Freiheiten erlangt. Das Hinterfragen des bestehenden Systems führte unweigerlich zur Verbreiterung der Aktions- und Widerstandsformen. Immer mehr Menschen protestierten gegen Kriege; es entstanden radikale Formen von Frauenkämpfen und weitere Errungenschaften in der Freiheit von Homosexuellen, Dunkelhäutigen und anderen Minderheiten. Diese Rechte verteidigten sich sogar gegen die aggressiven imperialistischen Belagerungen nach 1980 – obwohl der Widerstand der Frauen, Homosexuellen, usw. von kapitalistischen Soziologen und Psychologen als vorübergehend bewertet wurde.

Die Gegenwart erfordert nun von uns neue, radikale Schritte. Der Kapitalismus fürchtet das Selbstbewusstsein und die Willenskraft von Individuen und Bevölkerung. Denn Menschen, die in ihre eigene Kraft vertrauen und nach Freiheit streben, überlassen ihr eigenes Leben nicht in die Hände anderer. Doch genau dies ist es, was der Kapitalismus sowie alle Systeme, die auf Herrschaft und Hierarchie basieren, will: Menschen, die nicht selber denken, sondern aufnehmen und ausführen, was ihnen serviert wird.

Der Kapitalismus befindet sich zurzeit im Wandel. Die aktuelle Krise ist im Grunde keine Krise des Kapitalismus, sondern eine Krise der Bevölkerung, die unter ihm leidet. Der Kapitalismus ändert sich gegenwärtig, er erneuert und stärkt sich.

Ein Beispiel hierfür ist die zunehmende Aggressivität der staatlichen Sicherheitskräfte, die sich uns entgegenstellt: ob bei Anti-NATO-Protesten oder bei antifaschistischen Demonstrationen: überall macht sich eine gewaltsame Repression gegen jegliche Stimmen breit, die hinterfragen, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich ein Sprachrohr zu verschaffen versuchen. Neonazis marschieren in verschiedenen Städten Europas bewilligt und ungehindert, sogar geschützt von der Staatsmacht. Demonstrationen von denjenigen, welche die blutige Vergangenheit des Faschismus nicht vergessen haben, werden jedoch angegriffen, provoziert oder vereitelt. Diese neue, faschistoide Organisationsstruktur zeigt nicht etwa die Angst der Herrschenden vor einer Alternative, denn der Widerstand ist verhältnismässig nicht gross. Sie zeigt die Erprobung neuer Versklavungstaktiken.

Eine weitere solche Taktik ist die fortschreitende Isolation der Menschen untereinander. Die Mittel hierzu, wie z.B. die schulische Erziehung, die Technologie sowie die Medien prägen die Menschen bereits im Kindesalter. In Deutschland musste neulich eine Kinderkrippe umziehen, weil die umliegenden Bewohner sich am Lärm der Kinder störten und sich bei staatlichen Institutionen beschwerten. Die Krippe musste an einen abgelegenen Ort umziehen, der zudem mit Mauern umriegelt wurde. Dieses Beispiel zeigt einerseits die bereits fortgeschrittene Isolation und Intoleranz der Menschen: Natürliche und menschliche Eigenschaften wie Kinderstimmen werden nicht mehr toleriert, zudem gewöhnt sich die neue Generation an die Normalität von Isolation und Ausgrenzung. Wie gesund können sich Kinder unter diesen Umständen entwickeln?

Das bestehende System benutzt uns Frauen, dies bedeutet aber auch, dass es abhängig von uns ist. Diese Kraft können wir dazu gebrauchen, bestehende Strukturen zu stürzen und neue Alternativen hervorzubringen. Indem wir die uns künstlich auferlegten Pflichten erfüllen, sind wir treue Dienerinnen dieses Systems. Stellt euch vor, was wäre, wenn wir Frauen einen einzigen Tag all diese Pflichten verweigern würden. Es ist Zeit, in unsere Kraft zu glauben.

Es ist an der Zeit, die Ketten zu erkennen und zu sprengen, die uns ans bestehende System ketten und ihm dienen. Lasst uns alle Institutionen verweigern, die uns als Menschen, insbesondere aber als Frauen in einen engen Rahmen zwängen. Institutionen führen zu Starre, zu Unbeweglichkeit und zu Strukturen, die sich abkapseln und nicht weiterentwickeln. Eine der stärksten und fundiertesten Institutionen ist die Familie.

Wir verweigern die Pflicht, die uns seit Jahren systematisch indoktriniert wird und die uns versklavt. Uns gegenüber stehen die Welt und das Leben, hier und jetzt – doch wo in ihnen befinden wir uns? Wie laut sind unsere Rufe nach uns selber sowie in die Welt? Zwischen der Welt und zwischen uns Frauen steht die Institution der Familie sowie der „heiligen“ Pflicht des Mutter-Seins als eine Art gläserne Wand. Aufgrund jahrelanger, systematischer Gehirnwäsche sehen wir die Welt nur durch diese Wand.

Uns selber zu sein, das können wir nur erreichen, indem wir die Institution der Familie verweigern, die zwischen uns und der Welt steht. Es ist an der Zeit, dass wir die globale ökologische Situation, den Punkt, an dem die Menschheit durch Imperialismus und Kriege gekommen ist, den neuen, aggressiven Charakter der staatlichen Sicherheitskräfte sowie die aktuelle kulturell-soziale Entfremdung der Menschen untereinander: dass wir all dies verweigern und statt dessen unser Selbst zu Tage legen. Wir wollen nun uns selber gebären: als Frauen und als Individuen.

Ein Beispiel für einen aktuellen, selbstbestimmten Widerstand ist die Militärverweigerung in der Türkei. Wir nennen sie als Beispiel, weil es eine Form von Widerstand ist, die eng mit dem Frauenbefreiungskampf verknüpft ist und viele Parallelen zu ihr aufweist. Zudem repräsentiert das Militär so intensiv wie keine andere staatliche Institution das Patriarchat. Das Militär zu stürzen, ist gleichbedeutend damit, das Patriarchat zu stürzen.

Immer mehr Menschen in der Türkei praktizieren Militärverweigerung. Dabei muss man unterscheiden zwischen Dienstverweigerern und Totalverweigerern. Es gibt unzählige Männer in der Türkei, die den aktiven Dienst verweigern, indem sie ihn aufschieben, sich jahrzehntelang an Unis einschreiben oder ins Ausland flüchten. Diese Art der Dienstverweigerung praktizieren wahrscheinlich Hunderttausende von Menschen in der Türkei (Bevölkerungszahl Türkei: 70 Millionen).

Davon zu unterscheiden ist die Totalverweigerung. Totalverweigerer lehnen jegliche Art von militärischem Dienst ab, sei sie aktiv, zivil oder in Form eines Entgelts. Zudem verzichten sie gleichzeitig darauf, Bürger des türkischen Staates zu sein, verbrennen öffentlich ihren Ausweis oder Pass und lehnen alle Rechte und Pflichten als Bürger ab. Diese Form der Verweigerung wird auch von Frauen praktiziert. Aktuell sind es 13 Frauen in der Türkei, die dies getan haben, die Tendenz ist jedoch steigend. Wir kommen später noch einmal dazu, aus welchen konkreten Gründen Frauen verweigern.

Von klein auf werden türkische Kinder mit einem enormen Nationalstolz auferzogen. Selbst in Schulbüchern steht geschrieben: „Jeder Türke wird als Soldat geboren“. Tag für Tag stehen vor dem Schulunterricht die Türkische Nationalhymne sowie der „Türkische Eid“ an. Ein Mann, der keinen Wehrdienst absolviert hat, gilt nicht als Mann und wird von Staat und Gesellschaft geächtet. Er kriegt keine Arbeitsstelle – und keine Familie wird ihre Tochter mit einem Mann verheiraten, der nicht gedient hat. Das Militär stützt die Geschlechterrollen, denn es gilt das Grundprinzip: erst das Militär macht einen Mann zum Mann, macht ihn erwachsen, verantwortungsvoll und selbständig.

Die Gleichsetzung des Mannes mit einem Soldaten ist gleichwertig mit der patriarchalischen Gesellschaft. Die Armee beschützt das Land, ebenso wie der Mann die Frau beschützt. Der Militärdienst ist eng verknüpft mit der gesellschaftlichen Rolle des Mannes. Er muss stark sein, kämpferisch, mutig und die Schwachen beschützen. Da alle Männer dienen müssen, handelt es sich bei den sogenannten „Schwachen“ um Frauen. Dies ist sogar im militärinternen Dienstgesetz verankert: „Pflicht der Armee ist es, die National- sowie die weibliche Ehre zu beschützen“. Die Armee ist eine wirkungsvolle Institution, um Nationalismus und Patriarchat zu stärken und zu schützen, nicht nur in der Türkei, sondern überall auf der Welt. Auch wenn sich der Wortlaut der Militärgesetze von Staat zu Staat unterscheidet, handelt es sich beim Militär um ein- und dasselbe Prinzip.

Junge Männer werden im Militär geformt nach dem Prinzip von Befehlen, Gehorsam, Sterben, Töten, Verschuldung gegenüber der Nation, Schutz der Nationalehre.

Junge Frauen wiederum werden innerhalb der Familie nach demselben Prinzip geformt: sie lernen, sich der Autorität von männlichen Familienmitgliedern unterzuordnen. Sie lernen dasselbe Prinzip von Befehlen, Unterdrückung, Verboten und Ehre. Die Nationalehre ist gleichwertig mit der „Ehre“ der Frau in der Gesellschaft. Beide stehen über allem.

Selbst wenn sich die Rolle der Frau in religiösen, feudalen und kapitalistischen Systemen unterscheidet, hat sie doch eine gemeinsame Wurzel. Überall wird die Frau benutzt, um das herrschende System aufrechtzuerhalten und zu stärken.

In feudalen Gesellschaften beginnt und endet die Funktion der Frau an Heim und Herd. Während ihre männlichen Altersgenossen draussen spielen dürfen, muss sie zuhause bleiben und der Mutter im Haushalt helfen. Sobald sie die obligatorische Schulzeit beendet hat, verbietet ihr der Herr des Hauses jede zusätzliche Bildung. Junge Frauen in feudalen Gesellschaften haben kein Recht darauf, ihre Meinung zu vertreten und ebensowenig, sich aus eigener Initiative zu verlieben. Die Familie hält ihre jungfräuliche „Ehre“ unter strenger Kontrolle und verspricht sie bereits im Kindesalter. Als junge Frau muss sie schliesslich denjenigen Mann heiraten, den die Eltern vor Jahren für sie ausgesucht haben. Nun hat die junge Frau die Pflicht, eine Familie zu gründen und dem Mann Kinder zu gebären, am besten natürlich Söhne.

In kapitalistischen Gesellschaften ist die Situation ähnlich, wenngleich sie sich auch unterschiedlich manifestiert. Auch hier wird Mädchen von klein auf ihre Funktion innerhalb der Gesellschaft beigebracht: nämlich, eine Familie zu gründen und Kinder zu gebären. Sie werden nicht offen dazu gezwungen, aber im Unterbewusstsein so geformt. Sei es durch ein Vorleben der Geschlechterrollen zuhause oder durch externe Faktoren während der Entwicklung, beispielsweise durch Märchen, wo Frauen für gewöhnlich passiv, hilflos und beschützungsbedürftig, dafür aber schön sind. Sie werden von starken, männlichen Helden jeweils aus ihrer Lage befreit und dürfen ihn dann –o, Glück!- heiraten und ihm Kinder gebären. Schon früh träumen Mädchen von ihrer Heirat und von einem wunderschönen weissen Kleid, dass sie dann tragen möchten, weil sie von ihren Müttern, Vätern, der Gesellschaft sowie den Medien gelernt haben, auf dieses eine Ziel hinzuarbeiten, welches das höchste aller Gefühle im erfüllten Leben einer Frau ist.

Ist die Frau dann erwachsen, führt sie die indoktrinierte Rolle aus, sorgt zuhause für den Haushalt und die Kinder. Hinzu kommt aber eine weitere Pflicht, die dem kapitalistischen System zu eigen ist: die Frau muss neben all diesen Pflichten auch noch ihre ökonomische Pflicht erfüllen und arbeiten, weil ein einziger Lohn nicht reicht, um eine Familie zu unterhalten, heutzutage weniger denn je.

Die Frau wird aufgeteilt zwischen Staat, Familie, Gesellschaft oder Arbeitsplatz. Sie wird dazu benutzt, um kapitalistische Produkte zu verkaufen. Jüngstes Beispiel ist der Autosalon in Genf.

Nebst der Benutzung der Frau macht sich hier ein weiterer Charakterzug bemerkbar: wenn wir sagen, dass für diese Zwecke die Frau benutzt wird, stimmt dies eigentlich nicht ganz, denn benutzt wird nur der Körper der Frau, nicht ihre psychischen Eigenschaften. Somit wird auch klar ausgedrückt, welcher Wert Frauen beigemessen wird, nämlich ein rein physischer. Es hat keinen Wert, wie eine Frau denkt, wie sie lebt und was sie hervorbringt, wenn sie nur schön ist. Gleichzeitig benutzt der Kapitalismus sie nicht nur als Marketingstrategie, sondern auch als Hauptkundschaft. Die Pflicht der Menschen im Kapitalismus ist es, zu konsumieren, und für Frauen gilt dies gar noch mehr als für Männer. Meist hilft ihnen der Konsum dabei, die ihnen auferlegte Rolle zu wahren. Schönheitsprodukte und Kosmetika, Mode und Markenklamotten – all diese Dinge kann der Kapitalismus nur „an die Frau“ bringen, weil er ihr vorher eingeprägt hat, welche Werte die Frau innerhalb der Gesellschaft erfüllen muss.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich beispielsweise in der Schweiz immer mehr junge Mädchen bereits im nicht-volljährigen Alter prostituieren, um dem künstlich erzeugten Bedürfnis nach Schönheit, Luxus und Mode nachkommen zu können.

In Drittweltländern verkaufen sich Frauen, um sich Brot leisten zu können, in kapitalistischen Ländern, um Markenklamotten kaufen zu können. Das Prinzip ist in beiden Fällen ähnlich, denn sowohl Lebensmittel, als auch Mode stellen für die jeweils betroffenen Frauen aus ihrer subjektiven Sicht ein Grundbedürfnis dar.

Dies alles zeigt, dass Frauen heute mehr denn je ausgebeutet werden. Wenn heute die neue Stadtpräsidentin von Zürich lesbisch ist, so steht dies nicht für die Akzeptanz von homosexuellen Menschen. Einerseits scheint dies so, da als Stadtpräsidentin nicht ihre Homosexualität im Vordergrund steht, sondern ihre politische Ausrichtung; andererseits aber wurde ihre Homosexualität nicht neutralisiert. Wieso wird das Sexuelleben von heterosexuellen Politikerinnen und Politikern nicht thematisiert? Wieso wird von Heterosexuellen kein „Coming out“ erwartet, wie es von Homosexuellen erwartet wird?

Als Anarchafeministinnen bedeutet es für uns keine Emanzipation, dass Frauen heute in Machtpositionen stehen. Solange wir innerhalb dieses Systems eine Gleichstellungspolitik verwirklichen, gleicht unser Kampf einem Echo, das wir gegen die Berge schmettern und das zu uns zurückgeworfen wird und erlischt. Wieso Gleichstellung? Wieso gehen wir von etwas Bestehendem aus und möchten gleichwertig daran teilhaben? Als Anarchafeministinnen wollen wir kein Stück des von Anfang an verdorbenen Kuchens. Es gibt es nichts, das wir von der Regierung und vom herrschenden System erwarten oder fordern. Was können wir erwarten von einem schmutzigen System, das auf Machtherrschaft basiert, sei es die Herrschaft des Mannes über der Frau, des Staates über die Bürger, des Menschen über die Natur oder des Arbeitgebers über die Arbeiter? Wir erwarten nichts und wir fordern nichts: wir verweigern alle Arten von Programmen, die über uns bestimmen. Was wir wollen, ist nicht, uns an bestehenden Richtlinien zu orientieren, sondern uns selber zu sein: unsere individuelle Natur und Persönlichkeit zu leben.

Dabei können wir uns nicht einzig und allein über unser Geschlecht definieren, denn wir sind Menschen, die neben ihrer sexuellen auch eine politische, ökonomische, ökologische und soziokulturelle Rolle in der Gesellschaft und in der Welt tragen. Unser Kampf kann sich daher nicht auf unser Geschlecht beschränken, sondern bedeutet auch politischen, ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Widerstand.

Wir kommen an dieser Stelle noch einmal zu den Militärverweigerinnen in der Türkei:

Obwohl türkische Frauen nicht wehrpflichtig sind, erklären auch Frauen ihre Totalverweigerung, d.h. die vollständige Verweigerung aller Rechte und Pflichten als Bürgerinnen und als Frauen. Der grösste Beweggrund hierfür ist ihr Bewusstsein über die Funktion des Militärs, welches dieselben hierarchischen Strukturen aufweist wie die patriarchalisch geprägte Gesellschaft oder Familie.

Die Verweigerung besitzt einen grossen Signalcharakter: selber etwas auf die Beine zu stellen, im Alleingang Widerstand zu leisten und seine individuelle Position zu vertreten – sei es als Militärverweigerer in der Türkei oder als Frau im Patriarchat. Durch das eigene Selbstvertrauen greift die praktizierte Idee automatisch um sich und beeinflusst andere Menschen. Es bietet sich eine ganz neue Art der politischen Bewegung: die Bewegung greift von selber um sich. Die Art und Weise, wie Einzelpersonen vorleben, offen sich selber zu sein und für ihre Überzeugung einzustehen, macht anderen Menschen Mut, in ihre eigene Kraft zu vertrauen und daran, durchaus auch alleine stark genug zu sein, um Widerstand zu leisten – nicht nur dem Militär gegenüber, sondern gegen alle starren, versteinerten Strukturen.

Dies ist wichtig, denn wenn in einer Bewegung jedes einzelne Glied der Kette stark, selbstbewusst und autonom ist, ist sie wirksamer, als wenn sie aus einer starken Führung mit Millionen von Mit- und Nachläufern besteht.

Wir können den Begriff „unmöglich“ nicht zunichte machen durch Gespräche, durch Diskussionen oder durch Infobroschüren, sondern einzig und alleine durch die vorgelebte Praxis. Totalverweigerung wäre niemals akzeptiert worden, hätte man sie als theoretische Idee aufgebracht. Da sie aber praktiziert wird, ist sie vorhanden, sie existiert, unabhängig davon, ob Staat und Militär sie akzeptieren oder nicht. Dies beeinflusst Stück für Stück die Gesellschaft, die sich nie hätte von Flyern oder Diskussionen überzeugen lassen. Die Verweigerung hat die Grenzen des Unmöglichen überschritten und ist nun nicht nur möglich, sondern real.

Ebenso verhält es sich mit der Stellung der Frau. Das Patriarchat lässt nicht an sich rütteln durch Diskussionen, es muss aber wohl oder übel gelebte Praxis akzeptieren, denn etwas, das existiert, muss früher oder später von der Gesellschaft angenommen werden. Die einzige Möglichkeit, das Patriarchat zu stürzen, besteht darin, dass Frauen ihr Leben in die eigene Hand nehmen und in ihre Kraft sowohl als Individuum, als auch als Frau vertrauen.

Beispielsweise gilt es als unmöglich, dass eine Frau in der Türkei auf der Baustelle arbeiten. Es gilt auch als unmöglich, dass eine Frau alleine (also ohne einen „starken“ Mann an ihrer Seite) das Land durchquert. Sobald aber auch nur eine einzige Frau dies praktiziert, ändern sich die Umstände. Menschen, die solche Beispiele mit ansehen, sind zunächst verwirrt, dann jedoch stürzt das bestehende Gedankenmuster in ihren Köpfen in sich ein, weil es nicht mehr zutreffend ist. Dies schafft Raum für neue Gedanken. (Die vorhin genannten Beispiele sind übrigens Dinge, die wir so in die Praxis umgesetzt haben, wir können also mit hundertprozentiger Überzeugung sagen, dass es funktioniert und dass es wirklich nichts gibt, das unmöglich ist, solange man es einfach macht).

Wir wollen nun uns selber gebären: als Frauen und als Individuen. Auf dass immer mehr Frauen in sich und in einen autonomen Widerstand vertrauen und sich unsere Kämpfe in einem grossen vereinigen!

Karakök Autonome türkei/schweiz

Feministische Aktion

www.karakok.org

laydaran@immerda.ch

otonomkarakok@gmail.com

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