01- 8. März Frauenkampftag

Die aktuelle Situation der Frauen zeigt uns, dass Feminismus nicht ein Identitätsproblem ist, sondern der Wille zur politischen Veränderung, zur Revolution. Es konnte zu keinem Zeitpunkt verhindert werden, dass Frauen ihren eigenen Kampf und Widerstand erbringen – weder durch die Vernachlässigung von weiblichen Rollen im politischen, ökonomischen und sozialen Widerstand, noch durch Marginalisierung, noch durch Neutralisierung. Überall, wo Ungerechtigkeit stattfindet, kommt auch die Suche nach Gerechtigkeit zum Ausdruck und verschafft sich ein Ventil.

Selbst in politischen Organisationen wird die Initiative des Individuums, seine Meinungsfreiheit und der Austausch verschiedener Meinungen beschränkt. Es ist daher auch nicht erstaunlich, dass Spaltungen jener Organisationen an der Tagesordnung waren. Die Spaltungen brachten wiederum neue Spaltungen, weil jede abgespaltene Organisation dieselben Fehler in sich weiterführte, die sie aus früheren Organisationen mitbekommen hatte. Dabei sorgt gerade freie Äusserung und der Austausch von Ideen für ein vielfältiges und starkes kollektives Konstrukt. Jede Beziehung aber, in welcher das Individuum keine Freiheiten besitzt und wo ein Austausch nicht stattfinden kann, kommt zwangsweise zu Bruch – seien es freundschaftliche, politische oder Liebesbeziehungen.

Wie sehr die Globalisierungspolitik des Kapitalismus auch systematisch und programmiert Militärgewalt, Kriege, Besetzungen und sein Kapital dazu benutzt, um Widerstand im Keime zu ersticken und die Menschen zu apolitisieren, kann er doch nie langfristig damit erfolgreich sein. Im Bewusstsein darüber, stärkt der Kapitalismus Tag für Tag zunehmend seine Sicherheitsinstitutionen und teilt ihnen mehr Macht zu, um sich selber zu schützen.

Entgegen dieser Repression leistet eine breit gefächerte Bewegung Widerstand: erstarkende Feministinnen und Queer-Bewegungen, anti-militaristische Organisationen und Kriegsgegner, Anarchismus, Öko-Aktivismus und Linke.

Insbesondere der Kampf von anti-militaristischen Aktivistinnen und Aktivisten führt notwendigerweise auch zur Änderung der kleinsten Einheit von Staat und Militär im zivilen Leben: der Familie. Die traditionelle, patriarchalische Familie besteht ebenso wie das Militär aus Hierarchie, Herrschaft und Gehorsam. In ihr gibt es keine Individuen, nur die Familie. Der gemeinsame praktische Widerstand von Feminismus und Anti-Militarismus ist unausweichlich. Auch die aufdiktierte Rolle des Mannes in Familie, Militär und Nationalverständnis bröckelt heute immer mehr und ermöglicht gleichzeitig die Enttabuisierung von sexuellen Präferenzen, die nicht der gängigen Norm entsprechen. Tabus zu stürzen, stellt immer eine Entwicklung dar und gleichzeitig ein Entgegenschmettern der eigenen Meinung ins Gesicht des bestehenden Systems.

Der Öko-Kampf hingegen zeigt auf, wie die Welt vom Kapital zerstört wird und dass diese Zerstörung gleichzeitig die psychische, physische und soziale Gesundheit der Menschen ergreift. Eine Unmenge an Gefahren, erschaffen vom Kapital, wartet auf die heutige, junge Generation. Der Kapitalismus spielt tagtäglich, bewusst, aber versteckt mit uns. Playstation-Spiele führen bei Kindern und Jugendlichen zu einer Hautkrankheit, die sogar einen eigenen Namen erhalten hat: „Playstation palmar hidradentitis“. Noch schwerwiegender ist die Vereinsamung und asoziale Entwicklung von Kindern aufgrund Internet und Computerspielen. Junge Mädchen erhalten aufgrund ungesunder, fettreicher Ernährung und daraus resultierender hormoneller Aktivität verfrüht ihre Menstruation, noch bevor das Knochenwachstum voll entwickelt ist. Aus permanenter Indoktrinierung von Markenbewusstsein verkaufen sich immer mehr Mädchen noch im Kindesalter, um sich Markenkleider leisten zu können. Die Profitgier des Kapitalismus hat einen Konsumzwang in den Köpfen der Menschen erschaffen, um aus ihnen kritisches Hinterfragen und menschliche Grenzen zu verdrängen. Jüngstes Beispiel ist ein japanisches Computerspiel, in dem es gilt, durch Misshandlung und Vergewaltigung möglichst vieler, unterschiedlich alter Frauen und Mädchen Punkte zu sammeln. Auf diese Weise schützt der Kapitalismus seine eigene Politik auf Kosten von Individuen, insbesondere Frauen. Politische Diskussionsforen im Internet sorgen dafür, dass die Reaktion der Menschen gegen das System passivisiert wird; sie verschafft sich ein virtuelles Ventil, anstatt in die Realität getragen zu werden. Was resultiert, ist ein vereinsamter und maschinenabhängiger Denkmechanismus. Der Kapitalismus verhindert so eine Gegenbewegung.

Wenn wir nun die Familie innerhalb der Gesellschaft betrachten, wie kann man sie als Mutter von Öko-Aktivismus separieren? Die Technologie- und Kapitalgier erstarkt auf unseren Schultern. Wie können wir jüngere Generationen erreichen, wenn wir uns nicht bewusst sind, dass der Kapitalismus seine Fühler bis in die Kindererziehung und –entwicklung erstreckt, und über die Notwendigkeit, als Frau zu politisieren, sich selber zu kennen und zu sein? Wie können wir die neue Generation verstehen? Feminismus ist nicht einzig und alleine eine Identitäts-, oder Persönlichkeitsangelegenheit und beschränkt sich nicht auf Frauenrechte. Diese Einschränkungen und Grenzen, die man teilweise auch innerhalb der feministischen Bewegung findet, sind auch die Folge der systematischen Ausgrenzung von Frauen von Seiten des Staates und seiner Arme und von Seiten gesellschaftlicher Traditionen, die in die Köpfe von uns allen eingehämmert worden sind.  Gerade deshalb müssen wir unser Leben in die eigene Hand nehmen, damit Frauen sich selbst sein können. Dinge, die von Frauen erschaffen werden, die nicht sicht selbst gehören, sind immer Versklavungen, um andere glücklich zu machen. Dies manifestiert sich nicht nur im traditionellen Familienmuster, sondern auch innerhalb Beziehungen im sozialen Leben der Frau.

Es ist durchaus möglich, dass wir als Individuen selbst über unser Leben bestimmen, nicht jemand anderem, sondern uns selbst gehören. Eine Frau, die sich in ihrem eigenen Leben befindet und in ihrer Selbstbestimmung Dinge erschafft, wird automatisch auch ihr soziales Umfeld dadurch positiv beeinflussen. Gleichwertigen Austausch und Gerechtigkeit können wir innerhalb von Beziehungen nur erschaffen, wenn wir unsere Individualität frei zu Tage legen. Die Freiheit des einzelnen Individuums bedingt eine politische Organisationsform, die sich von den bisherig realisierten Formen unterscheidet. Es ist an der Zeit, alte Organisations- und Beziehungsstrukturen zu stürzen. Klagemauern, das ständige Beweinen und zur Schau stellen von Frauenunterdrückung bringen uns keinen Schritt weiter, solange sie nicht in praktischen Widerstand umgesetzt werden – im Gegenteil: sie erzeugen Passivität. Wichtig ist die Qualität unserer Reaktion. Solange wir keine konstruktive, aktive Reaktion zu Tage legen, genügt es nicht, zu erzählen, zu wehklagen und zu weinen. Lasst uns diese versteinerte Tradition wegfegen: nicht die Klagemauern befreien uns, sondern das Marschieren gegen Mauern.

Anarcha-Feministische Aktion

iris yilmaz

Karakok Autonome Turkei-Schweiz

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